sechs tage

Heute laufe ich durch diese Welt, durch die belebten Städte, durch das Gewusel auf den Straßen und frage mich, ob alle so sind. So taub im Inneren. So leer und zur gleichen Zeit fast schon übervoll. Und wie naiv ich war, früher, vor diesen sechs Tagen, die das kurze Wort Schmerz neu zu definieren wussten. Deine Zeit ist begrenzt. Ein schöner Spruch, von dem man immer meint, ihn wirklich zu verstehen. Auch wenn seine Bedeutung in Wahrheit nur abstrakt im Raum schwebt. Zwischen all dem Leben, das so unendlich scheint. In den Erinnerungen, die bleiben, auch wenn der Moment nicht mehr ist.

Spiegelung ©Kathrin Kolbow

Vor gut einem Jahr verlor ich, was ich eine Seelenverwandte nannte. Mit ihr starb ein Stück weit das Verständnis, was es bedeutet zu leben. Nicht das ich es verlernt hätte die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, ganz so, wie sie es mir beigebracht hat. Der Geruch von gelben Rosen, das Lachen guter Freunde. Viel mehr erlebe ich mich, wie ich manchmal neben diesem großen Ganzen stehe und mich frage, wie es möglich ist, dass all das einfach so weiterläuft, ohne das sie es miterleben darf. Das Leben ist unfair, der Tod umso mehr.

Wolken ©Kathrin Kolbow

Es ist so eine Sache mit der Trauer. Wie im Grunde mit allem, was der Mensch zu leben nennt. Wir reden uns ein, das ein Gefühl universell übertragbar ist. Emotionen sind schließlich klar definiert und somit für alle gleich. In unsere Seele kopiert von Ereignissen und Situationen, die fast schon einer Blaupause gleich jedem Menschen den passenden Stempel ins Dasein drückt. Aber im Grunde sind wir alleine. Mit allem. Mit uns und in uns. Und doch auch irgendwie vereint, in genau dem, was uns zu trennen weiß. Zwiespalt, der zur Normalität wird.

Schmetterling ©Kathrin Kolbow

Vielleicht sind wir den Toten am nächsten in den stillen Momenten. In denen, die klar definiert sind und doch so unendlich vage, das Worte ihnen im Grunde keinen Gefallen tun. In Gerüchen, Orten und Berührungen, die Erinnerungen ins Leben zurückbringen, die einst unsere gesamte Welt formten. Womöglich hebt der Tod Verbindungen nicht auf, sondern transformiert sie auf eine Ebene, die im Leben allein so nie möglich gewesen wäre. Für die wir nur die Grundlage legen, in allem, was wir miteinander gestalten. Pure Emotion, ungefiltert und klar, von einer Seele in die Andere. Eventuell rede ich mir das aber auch einfach nur ein, um nicht vollkommen den Verstand zu verlieren. Wir werden es sehen, irgendwann.

Zum Buch „sechs tage“

Veröffentlicht von derdarkroom

Fotografin mit künstlerischem Schwerpunkt.

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